Aetzmattierung




Grußwort des Künstlers Eberhard Münch

Die zeitgemäße Neugestaltung der Pfarrkirche St. Martin konnte nur im intensiven Austausch mit Herrn Eltges vom Diozösanbauamt, Herrn Pfarrer Barzen, Architekt Bertram, den ausführenden Handwerkern und vielen Gemeindemitgliedern gelingen. Ihnen allen danke ich für Ihre Inspirationen.

Meine Aufgabe bestand zunächst darin, Fenster, Raumfarbe und Wandmalerei neu zu gestalten. Im Verlauf der 3-jährigen Renovierungsphase wurde mir auch die künstlerische Anpassung der Liturgischen Orte anvertraut. Es sollte eine zeitgemäße, moderne Raumfassung erarbeitet werden, ohne dabei die ursprünglich neugotische Ausmalung zu rekonstruieren, sie aber gleichsam mitschwingen zu lassen.

Heute bilden die hell-dunkel agierenden Architekturteile einen neutralen Rahmen für die "Liturgischen Orte" im Kirchenraum. Die entstandene Farbgestaltung zitiert in einer zeitgemäßen Formensprache die frühere polychrome Farbfassung.

Die anspruchsvollste Aufgabe für mich als Künstler war es, die verschiedenen persönlichen Wünsche und Erwartungen Einzelner an die Gestaltung in ihrer Wechselwirkung zu den Stilelementen der zeitgenössisch angewandten Kunst zu berücksichtigen. Darüber hinaus stand ich aber vor einer ganz anders gearteten, einer sehr persönlichen Herausforderung:

Wie stelle ich das Mysterium des Glaubens, wie das Antlitz Gottes, das Eingreifen Gottes in die menschliche Existenz angemessen malerisch dar? Eine künstlerische Anforderung, die weit über die Ausführungszeit des Auftrages hinausragt. Ein gehaltvoller, schöpferischer Prozeß nahm seinen Lauf, auf den ich mich lange vorbereitet hatte:

Mittels Studien der diversen Maltechniken, der Lichtverhältnisse und der Raumeinteilung ebenso wie mittels einer intensiven Vertiefung in zahlreiche Bibeltexte. Hierbei wollte ich die kryptische Bedeutung der Bibeltexte exegetisch entschlüsseln. Duktus und Farbgebung sollten mitverantwortlich werden für die Besinnung auf das Kerygma.

Ich denke, dass sich diese intensive persönliche Auseinandersetzung mit dem Projekt gelohnt hat. Entstanden ist ein besonderer Ort der Sammlung und der Heiterkeit.

Ich wünsche allen Kirchenbesuchern, dass sie sich an diesem Ort wohlfühlen und etwas von der von ihm ausgehenden Kraft mit nach Draußen nehmen. Und ich wünsche dem Gotteshaus, das es auch als „Kunsthaus“, als „Kulturhaus“ wahrgenommen wird.


Eberhard Münch im Oktober 2004